Sonntag, 3. Februar 2013

Projekt Fernweh: Dublin

Der heutige Projekt Fernweh-Beitrag wird fast ein bisschen verrückt. Oder wart ihr schon mal auf einem Friedhof, auf dem Hände aus der Erde ragen? :D Tja, so etwas gibt es in Dublin. Ina war dort schon dreimal und schreibt auf ihrem Blog, dass ihr Herz für Irland schlägt. Viel Spaß beim Lesen!

Dublin, die Hauptstadt der Republik von Irland. Von mir bereits dreimal bereist mit einem Gesamtaufenthalt von sieben Wochen. Und jedes Mal entdecke ich neue Seiten an der Stadt, die mich faszinieren.
Wenn man das erste Mal in Dublin ist, bleibt einem vor Staunen der Mund offen stehen, wenn man ins City Center kommt. So erging es zumindest mir bei meinem ersten Mal. Auf den Gehwegen liegen Obdachlose in Schlafsäcken herum. Auf der Grafton Street, der Haupteinkaufstraße, reiht sich ein Straßenmusiker an den anderen. Auch mal mit so einem ungewöhnlichen Instrument wie einer Harfe. Am Abend tanzen im Temple Bar Viertel reiche Frauen mit Obdachlosen gemeinsam zu Straßenmusikern mitten auf der Straße. In Pubs kann es passieren, dass jemand spontan ein Lied anstimmt und der ganze Pub lauscht. Oder das man das große Glück hat, die irische Nationalhymne auf Gälisch zu hören. In Parks sprechen einen aufreizend gekleidete, kleine Mädchen an und fragen nach Zigaretten. Es herrscht dort eine Menschenvielfalt und Freundlichkeit, wie ich sie bisher in keiner anderen Stadt erlebt habe.
 
Natürlich hat Dublin auch viele Sehenswürdigkeiten, die ich nicht alle im Einzelnen nennen werde. Nur die, die mich aus den verschiedensten Gründen berührt haben. Im positiven und negativen Sinne. Habt ihr beispielsweise in einer anderen Stadt schon mal einen Friedhof besichtigt? Manche mögen es als makaber empfinden, aber ich habe es in Dublin getan. Und dort kann man die doch etwas andere Mentalität der Iren betrachten. Als Grabschmuck dienen Hände, die aus der Erde herausragen. Kindergräber sind nur anhand der Unmengen an Spielzeug als solche zu erkennen. Bei manchen Gräbern sind die Grabdeckel ein Stück zur Seite geschoben, sodass man das beklemmende Gefühl bekommt, gleich steigt ein Toter aus seinem Grab. Eine ebenfalls etwas andere Sehenswürdigkeit bekommt man mit Kilmainham Gaol gebot en, einem 1796 erbauten Gefängnis. Man steht auf Plätzen, an denen unzählige Menschen erhängt worden sind. Man läuft durch enge Flure, vorbei an Hochsicherheitsverließen. Und bekommt dazu zu hören, dass dort selbst 7-jährige Kinder eingesperrt wurden, nur weil sie etwas geklaut hatten. Faszinierend und verstörend zugleich.

 
Zur Entspannung eignet sich am besten ein Ausflug in den Nordosten von Dublin, nach Howth. Dort gibt es unzählige Wanderwege an den Klippen entlang, fernab von der Zivilisation. An manchen Stellen kommt man sich vor, als wäre man der einzige Mensch auf der Welt, so still ist es dort. Ein guter Platz zum Nachdenken. Bei meinem letzten Aufenthalt in Dublin in diesem Jahr habe ich mich an den längsten der Klippenrundgänge gewagt. Alleine. Mein kleines Abenteuer quasi. Dabei habe ich einige Orte und Dinge entdeckt, die man so gar nicht mit der turbulenten Hauptstadt in Verbindung bringen würde. Verwitterte alte Tore mit verwunschen wirkenden Wegen dahinter. Mauern komplett aus Muscheln angefertigt. Verlassene Steinstrände. Und wenn man Glück hat, bekommt man sogar einen Regenbogen zu sehen.


Allerdings hat Dublin – wie jede andere Stadt – nicht nur schöne Seiten. Außerhalb des City Centers gibt es viele Gegenden, die heruntergekommen sind. Überall liegt Müll herum. Kaputte Waschmaschinen stehen mitten auf dem Gehweg. Fenster sind entweder vergittert oder kaputt. Und an manchen Stellen hängen Schuhe über einer Leine, die zwischen zwei Häuser gespannt ist. Was ich zunächst wirklich interessant fand, machte mein irischer Brieffreund zunichte, indem er mir erklärte, wofür diese Schuhe stehen. Dort wird mit Drogen gehandelt.


Auch beim Essen ticken die Iren etwas anders. Im City Center reiht sich ein Fastfood Restaurant an das andere. McDonalds. Burger King. Kentucky Fried Chicken. Oder so unbekannte Ketten wie SuperMacs. Hauptnahrungsmittel als Tourist ist demnach Fastfood, da man kaum Alternativen geboten bekommt oder diese Alternativen ein halbes Vermögen kosten. Was einem allerdings in einem Fastfood Restaurant passieren kann – vielleicht ziehe auch einfach nur ich solche Situationen an – ist, dass man von einem Wildfremden gefragt wird, ob man sein restliches Essen haben möchte. Kulinarische Spezialitäten gab es auch bei meiner Gastfamilie 2008: Pizza mit Pommes, sämtliches Essen ungesalzen. Und auf der Suche nach dem Salzstreuer fand ich diesen im Kühlschrank. Und wer jemals in Dublin eine Eisdiele finden sollte, meldet sich bitte bei mir. Ich blieb bei meiner Suche bisher erfolglos.


Ich hoffe, ich habe euch einen Einblick in diese faszinierende Stadt geben können und den ein oder anderen um ein Reiseziel bereichert.

In diesem Sinne:Slàn,
eure Ina

Kommentare:

  1. Hahaha, dein Text ist wirklich toll geschrieben :) Sehr interessant zu lesen, ich war selbst schonmal in Dublin, allerdings nicht für besonders lange.

    LG
    Cotton Candy Stories

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  2. Das hört sich ziemlich interessant an,schöner Text :)
    Liebe Grüße,
    Pia

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  3. Oh, ich liebe Irland und v.a. Dublin. Ich war erst Ende letzten Jahres zum ersten Mal dort und es war sozusagen Liebe auf den 1. Blick. Ich mag diesen krassen Gegensatz zwischen der lauten, bunten Stadt und der ruhigen, grünen Landschaft und hoffe sehr, dass ich bald wieder nach Irland kann!

    Lg,
    Franzi

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  4. Das wird jetzt mein nächstes Reiseziel! Aber so was von sicher :P Ich lese in letzter Zeit so oft kleine tolle Reiseberichte! Da wunderts mich nicht, dass das Fernweh und das Interesse was dieses Land/Stadt betrifft immer mehr steigt ;)

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  5. Dublin ist echt ein tolles Reiseziel! Ich finde auch toll, dass man an nur einem Wochenende schon viel sehen kann und sich nicht so überfordert fühlt wie in größeren Städten!

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  6. Dublin klingt echt interessant! Und dein Text ist echt gut geschrieben. Total lustig! Ich muss unbedingt mal nach Dublin ;)
    l.g. Lena

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  7. das hört sich echt toll an :) ich geh im märz selber nach dublin und am st. patricks day bin ich auch noch da, ich freu mich schon wahnsinnig drauf <3 soll zwar die 'regenzeit' irlands sein, aber das ist mir egal :D
    hannah xxx

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  9. halli hallo,
    ich liebe dein neues design!! :)
    und dieser eintrag hat es mir auch angetan, denn für dublin schlägt auch mein herz, ich war vor einigen jahren mal dort..
    diese fernweh-serie ist ganz großartig.

    momentan überlege ich mir ein format, um die blogs, die ich gern lesen, auf meinem vorzustellen... ein interview mit dir ist ja ohnehin geplant (hrm... es tut mir sehr leid, dass ich mir da so viel zeit lasse), aber ich glaube ich möchte das irgendwie "anders" machen. ich muss mir noch überlegen, wie genau das aussehen soll. ich hoffe du hast nachsicht. ich dachte evtl an einen sammelpost, in dem fast so etwas wie ein gespräch zwischen den autorinnen der blogs entstehen soll.. mal sehen.

    mach weiter so, es ist ein wunderbarer ort hier bei dir!
    :)

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  10. Yay! Erstmal Glückwunsch zu deinen vielen vegetarischen Tagen in der Woche. :D Wenn du da noch einen veganen einlegen magst, stehe ich gern bei Fragen zur Seite. ;)

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